Montag, 18. Januar 2010 08:11

FP BZ - Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Militärfüge/Zusätzliche Linienflüge - Die kürzlich wieder aufgenommenen Trainingsflüge der Hubschrauberstaffeln von Heer, Finanzwache und Carabinieri stellen eine Zumutung und gesundheitliche Belastung für die Anrainer des Bozner Flugplatzes dar. Darüber herrscht Konsens. Der Vorschlag des Mobilitätslandesrates, diese durch Linienflüge zu "verdrängen", kann aber nicht mehr als ein schlechter Scherz sein, sollte dies LR Widmann wirklich so vorgeschlagen haben.

Die Situation für viele Anrainer rund um den Bozner Flugplatz und entlang der Anflugschneise ist eine konstante und massive Lärm- und Schadstoffbelastung. Zusätzlich verschlechtert wird diese Situation natürlich durch die neuerdings wieder ausgeweiteten Start- und Landetrainings der am Bozner Flugplatz stationierten Hubschrauberstaffeln. Deshalb muss alles unternommen werden, um diesen untragbaren Verhältnissen sinnvoll und wirksam entgegenzutreten.

Doch anstatt eine einvernehmliche Lösung mit den Militärbehörden anzustreben, missbraucht LR Widmann die Situation, um zum x-ten Mal krampfhaft für die Aufstockung der Passagierflüge zu werben und damit den Ausbau des Flugplatzes zu forcieren. Die zitierten Aussagen, dass bei zusätzlichen fünf (!) Flügen am Abend die Hubschrauber gar nicht mehr fliegen könnten, sind bestenfalls eine utopische Vision, in jedem Fall aber völlig realitätsfern.

Glaubt der LR etwa, dass die zivilen Luftfahrtbehörden zusätzliche Fluggenehmigungen ausstellen und Heer, Carabinieri und Finanzwache tatenlos zusehen würden, wie man ihre Möglichkeiten sukzessive auf Null reduziert? Glaubt er wirklich, dass die Militärbehörden eine völlige "Blockade des Bozner Luftraumes" durch den zivilen Flugbetrieb akzeptieren würden und dass sich die verschiedenen Hubschrauberstaffeln in Bozen somit ihre Berechtigung und Aufgabe entziehen ließen?

Dass die Halbierung der Militärflüge in den letzten 10 Jahren ursächlich auf den mehr schlecht als recht funktionierenden Flugbetrieb mit wenigen Flügen am Tag zurückzuführen ist, muss erst bewiesen werden. Ein Verdienst, den sich LR Widmann nur zu gerne selbst an die Brust heften möchte, ist es jedenfalls nicht. Der Vergleich der Flugbewegungen von 2008 und 2009 zeigt nämlich, dass auch bei sinkenden Passagierflügen die Militärflüge im gleichen Zeitraum abgenommen haben. Diese rückgängigen Zahlen lassen eher auf interne Entscheidungen der Militärbehörden selbst schließen.

Eine gangbare Lösung kann nur im Einvernehmen mit den Militärbehörden erzielt werden. Tritt der LR aggressiv auf, um die Hubschrauber mit seinen "Gegenflügen" vertreiben zu wollen, wird auch die Gegenseite angemessen reagieren. Leidtragende sind dann nach wie vor die Anwohner.

Mit welchem Geld sollen denn diese fünf zusätzlichen Flüge subventioniert werden? Ausgehend vom derzeitigen, alles andere als kostendeckend arbeitenden Flugbetrieb wären diese neuerlichen Flüge ein weiteres millionenschweres "Schwarzes Loch" am Bozner Flugplatz, dessen Schuldenberg bereits aufgrund der letzthin verkündeten Ausbaupläne in Millionenhöhe weiterhin unaufhaltsam wachsen wird.

114.000 WählerInnen haben dem Landesrat im Oktober 2009 die Legitimation zu all diesen Subventionen rund um den Bozner Flugplatz entzogen.

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