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Wildlebende Tiere und Pflanzen sind in Südtirol unter Druck: Es braucht Renaturierungen und die Biodiversitätswende
19. Januar 2026

Wildlebende Tiere und Pflanzen sind in Südtirol unter Druck: Es braucht Renaturierungen und die Biodiversitätswende

Man kann den Wissenschaftlern der EURAC nur gratulieren, dass sie ohne Emotion und mit viel Expertise die Ergebnisse des Biodiversitätsmonitorings veröffentlicht haben. Dass es in Südtirol um die Biodiversität nicht gut steht, wissen Ökolog:innen, Naturliebhaber:innen und auch viele Bäuerinnen und Bauern seit langem.

Vorsitzende Elisabeth Ladinser und Geschäftsführer Hanspeter Staffler - Foto: DVN
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Die Aussagen der EURAC-Studie decken sich ziemlich genau mit dem Ergebnis des Weltbiodiversitätsberichts aus dem Jahr 2019: Intensive Landwirtschaft und Klimawandel setzen der Artenvielfalt enorm zu, immer mehr wildlebende Tiere und Pflanzen sterben aus. Dass Südtirol diesbezüglich kein Land der Seligen ist, zeigen seit Jahren wissenschaftliche Arbeiten eindrucksvoll auf, und nunmehr gezielt und in eindrucksvoller Art und Wiese dieses von der EURAC unter der Leitung von Andreas Hilpold erarbeitete Biodiversitätsmonitoring.

In Südtirol bemühen sich die Landesbehörden und viele Gemeinden um die Verbesserung der Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel. Die urbane Ökologie wird immer wichtiger, weil die intensive Landwirtschaft kaum Platz für ökologisch wertvolle Lebensräume lässt. Erst kürzlich wurden im Obervinschgau auf illegale Weise Hecken gerodet oder anderswo in Natura-2000-Gebieten Gülle auf artenreiche Bergwiesen ausgebracht.

Immerhin räumt der Obmann des Südtiroler Bauernbundes im RAI-Interview ein, dass es „einen Ausgleich“ für die intensive Landwirtschaft braucht. „Dass sich vor allem extensiv wirtschaftende Betriebe und Biobetriebe ernsthaft mit der Verbesserung der Biodiversität beschäftigen, sehen unsere Umweltscouts sehr wohl“, sagt der Geschäftsführer des Dachverbandes Hanspeter Staffler. Gleichzeitig nimmt aber die Intensivierung sowohl in der Viehwirtschaft als auch im Obstbau zu. Diese Intensivierungschübe wirken sich oft katastrophal auf die Biodiversität aus.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und seine Mitgliedsorganisationen dokumentieren laufend den Verlust an Biodiversität in unserem Lande. Ein paar angebrachte „Bienenstreifen“, wie von SBB-Obmann Gasser verkündet, retten die Artenvielfalt nicht wirklich, sie sind bestenfalls Kosmetik. „Vielmehr sollte sich der Bauernbund darum bemühen, dass im Obstbau die empfohlenen fünf Prozent ökologische Ausgleichsflächen endlich realisiert werden, und dass die hausinterne Verzögerungspolitik in der Ausarbeitung von Düngeplänen in Natura 2000-Wiesen ein Ende nimmt“, bringt es die Vorsitzende des Dachverbandes Elisabeth Ladinser auf den Punkt. Denn ohne eine ehrliche, offensive Biodiversitätsstrategie aller Landnutzer:innen und damit hauptsächlich der Landwirtschaft, geht das Artensterben auch bei uns ungehindert weiter.