OFFENER BRIEF Hotelprojekt „Gallenmahd“ – Aufforderung, dem Durchführungsplan (TOP 7) und der Verlängerung der Bettenrechte (TOP 8) nicht zuzustimmen
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, Martell hat sich für den sanften Tourismus entschieden und wirbt mit der Schönheit eines weitgehend unversehrten Tales. Genau dieses Kapital setzt das geplante Vier-Sterne-Hotel mit bis zu 140 Betten auf 1.665 m, mitten im Nationalpark Stilfserjoch, aufs Spiel.
Foto: HPV
Wir ersuchen Sie, in der Gemeinderatssitzung dem Durchführungsplan (TOP 7) und der Verlängerung der „Bettenrechte“ von vier auf neun Jahre (TOP 8) nicht zuzustimmen. Unsere Gründe in Kürze:
1. Eine Kathedrale in der Wüste – Bodenverbrauch und Landschaft
Auf einer bisher unverbauten Lichtung im Nationalpark soll ein isolierter Großbau entstehen: 15.650 m³ Baumasse, bis zu 6.191 m² Versiegelung, dazu Waldrodungen für den Schutzdamm. Der Umweltbericht selbst spricht von „erheblichen Beeinträchtigungen“ für Landschaft und Naturraum. Das widerspricht dem Klimaplan Südtirol 2040 (Netto-Null-Versiegelung bis 2040) und dem Landesgesetz 9/2018. In einem Nationalpark müssen strengere Maßstäbe gelten – nicht laschere.
2. Investoren, Betreiber und Personal von außen – das Ende der Familienbetriebe
Großprojekte setzen die familiengeführten Betriebe unter Druck – bei Personal, Preisen und Investitionen. Wenn Eigentum, Betrieb und Mitarbeitende von außen kommen, bleibt für die Bevölkerung wenig: Sie trägt die Lasten bei Verkehr, Wohnraum und Landschaft, ohne wirklich zu profitieren. Martell braucht eine kleinteilige, regional verankerte Entwicklung mit echtem Nutzen vor Ort.
3. Mehrere Leerstände vorhanden – Bestand vor Neubau
Im Tal stehen touristische Strukturen leer, allen voran das Sporthotel „Paradiso“ – architektonisch bedeutend und ohne Naturgefahren. Das LG 9/2018 (Art. 17) lässt Bodenverbrauch außerhalb des Siedlungsgebiets nur zu, wenn keine Alternative durch Sanierung oder Umnutzung besteht. Eine ernsthafte Alternativenprüfung fehlt. Ein Tal kann nicht zugleich jahrzehntelangen Leerstand hinnehmen und neue Hotels in sensibler Landschaft rechtfertigen.
4. Bau in der Gefahrenzone – ein Schutzwall als Voraussetzung
Das Areal liegt überwiegend in der roten Lawinen-Gefahrenzone (H4), der Nordrand in einer H3-Zone für Massenbewegung. Damit überhaupt gebaut werden kann, braucht es zuerst einen 150 m langen, 12 m hohen Schutzdamm. Das ist die falsche Reihenfolge: Man schafft ein Risiko und baut dann ein gewaltiges Bauwerk, um es zu beherrschen. Das DPP 23/2019 (Art. 2) untersagt Eingriffe, die das Schadenspotenzial durch Naturereignisse erhöhen. Dass die Holzschlägerungen bereits begonnen haben, obwohl die Genehmigungsfähigkeit offen ist, ist nicht hinnehmbar.
5. Hotels sind Wasserschleudern – Risiko für die Wasserversorgung
Martell leidet zunehmend unter Wasserknappheit, die Gemeinde ruft zum Sparen auf. Ein Resorthotel verbraucht mit rund 300–500 Litern pro Gast und Nacht etwa doppelt so viel wie Einheimische pro Kopf. Das geklärte Abwasser einer Kleinkläranlage (240 EW) soll in den Plimabach geleitet werden – der hier wegen des Kraftwerks Zufritt nur eine geringe Restwassermenge führt. Jedes neue Großhotel ist ein zusätzliches Risiko für eine bereits angespannte Versorgung von Bevölkerung und Landwirtschaft.
Wir fordern Sie auf
1. dem Durchführungsplan „Gallenmahd“ (TOP 7) und der Verlängerung der Bettenrechte (TOP 8) nicht zuzustimmen;
2. die begonnenen Holzschlägerungs- und Vorarbeiten sofort einzustellen;
3. die überholte Tourismuszone ergebnisoffen neu zu bewerten und Martells Entwicklung auf Sa-nierung, Leerstandsnutzung, Naturtourismus und sanfte Mobilität auszurichten.
Wir bitten Sie ausdrücklich, diesen offenen Brief in der Gemeinderatssitzung bei der Behandlung der Tagesordnungspunkte 7 und 8 zu verlesen, damit unsere Argumente in die Entscheidung einfließen.
Wir sind nicht gegen Tourismus, sondern gegen eine Entwicklung, die ihre eigenen Grundlagen zerstört. Die Frage ist nicht, ob man in Gallenmahd bauen kann, sondern ob man dort bauen soll. Für ein Gespräch stehen wir jederzeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Plaikner, Obfrau Heimatpflegeverband Südtirol
Elisabeth Ladinser, Präsidentin Dachverband für Natur und Umweltschutz
Josef Gruber, Vorsitzender Umweltschutzgruppe Vinschgau




