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Wer touristische Seilbahnen baut, erzeugt auch Verkehr
08. September 2025

Wer touristische Seilbahnen baut, erzeugt auch Verkehr

Der Overtourism hat Südtirol fest im Griff und die Tourismusindustrie schiebt sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Das bringt uns als Gesellschaft nicht weiter, denn das Phänomen Overtourism hat strukturelle Ursachen.

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Südtirols Tourismusindustrie ist auf der Überholspur: Die IDM-Werbetrommel zeigt Wirkung, Gäste strömen aus allen Himmelsrichtungen ins Land. Die Anzahl der Betten steigt unaufhörlich, ob Urlaub auf dem Bauernhof, Campingplätze oder klassische Unterkünfte, alle tragen zum Bettenwachstum bei. Und der subventionierte Ausbau der touristischen Infrastrukturen wie Seilbahnen, Pisten und Beschneiungsbecken ist im vollen Gange.

In diesem Zusammenhang sieht der Dachverband für Natur- und Umweltschutz die Rolle der Seilbahnwirtschaft etwas differenzierter als es der Präsident des Verbandes der Seilbahnen kürzlich darstellte: „Seilbahnen können als öffentliche Verkehrsmittel intelligente Lösungen anbieten, wenn wir an die Rittner Seilbahn oder an die zukünftige Seilbahn nach Jenesien denken. Problematisch sind hingegen touristische Infrastrukturen wie die Tierser Seilbahn, die massiv mit öffentlichen Geldern unterstützt und nicht mit dem Südtirol Pass benützt werden darf“, erklärt der Geschäftsführer Hanspeter Staffler die Position des Dachverbandes Die Steuerzahler zahlen somit zwei Mal, um von St. Cyprian auf die Frommer Alm zu fahren.

Aber wirklich kritisch wird es, wenn wie es bei der Secedabahn in St. Ulrich vorgeschlagen wurde, Überlastungen mit dem Bau größerer Aufstiegsanlagen lösen zu wollen. „Das ist nicht Beruhigung, sondern da wird versucht, Feuer mit Benzin zu löschen“, sagt die Vorsitzende des Dachverbandes Elisabeth Ladinser. Seilbahnen und Aufstiegsanlagen, die nicht in erster Linie dem öffentlichen Verkehr dienen, befeuern als touristische Infrastrukturen ganz entscheidend den Overtourism.

Daher sieht der Dachverband für Natur- und Umweltschutz die Verantwortung für eine touristische Beruhigung bei allen Sektoren der Tourismusindustrie und vor allem bei der Landesregierung. Die momentane Förderpolitik für Seilbahnen lässt den Tourismusmotor unnötig heiß laufen, die Seilbahnbetreiber streben nach mehr Förderkapazitäten, mehr Förderkapazitäten bedeuten größere Parkplätze an den Talstationen und größere Parkplätze bedeuten mehr An- und Abreiseverkehr.

„Der Dachverband plädiert daher für einen Tourismus in Maßen statt in Massen und schlägt eine landesweite Nachdenkpause vor, um mit neuen Konzepten den Massentourismus in gesellschaftsverträgliche Bahnen zu lenken“, betont die Vorsitzende Elisabeth Ladinser.

Foto: Griseldis Dietl