Der Bau von Speicherbecken geht uns alle was an
Zurzeit ist es um den Bau der Speicherbecken im Altenburger Wald ruhig geworden. Doch die Ruhe trügt, denn in vielen Schigebieten und in der Landwirtschaft werden emsig Projektideen gewälzt, eine Welle an Speicherbecken droht in den nächsten Jahren durch das Land zu rollen.
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz hat sich in einem Positionspapier mit dem Speicherbecken-Boom auseinandergesetzt und schlägt unter anderem eine schrittweise, transparente und partizipative Verfahrensweise vor. Heutzutage wird oft im stillen Kämmerlein geplant, dann werden klammheimlich politische und administrative Weichen gestellt und erst wenn es nicht mehr anders geht, sickern die Projektideen an die Öffentlichkeit durch. Diese fühlt sich oft zu recht überrumpelt, vor allem wenn für den Bau der Speicherbecken Grund und Flächen zerstört werden, die der Allgemeinheit gehören.
In seiner Analyse hat der Dachverband eine Reihe von Schwachstellen im derzeitigen Verfahrensablauf feststellen können. Besonders kritisch wird die derzeitige Praxis gesehen, dass UVP-Verfahren erst ab einem Speichervolumen von 100.000 m3 vorgesehen sind. “Die allermeisten Beschneiungsbecken sind etwas kleiner und werden daher in puncto Natur- und Umweltschutz nicht auf Herz und Nieren geprüft”, erklärt Geschäftsführer Hanspeter Staffler das Verfahren. Das führt zur paradoxen Situation, dass mit öffentlichen Geldern zwar Beschneiungsbecken subventioniert aber ohne angemessene Umweltprüfung gebaut werden. Aus der Sicht des Dachverbandes sollte die UVP-Schwelle für Speicherbecken bei 5000 m3 liegen.
Aus technischer Sicht wird im Positionspapier die insgesamt mangelhafte Untersuchung des hydrologischen Umfeldes bemängelt. Wasser aus Bächen und Quellen wird in den Becken zwischengespeichert und somit zeitweise der Umwelt entnommen. Ob dieses gespeicherte Wasservolumen das darunter liegende hydrologische System stört, wird viel zu wenig untersucht. “Es gibt Hinweise, dass durch den Bau von Speicherbecken tiefer liegenden Quellen versiegten“, sagt Hanspeter Staffler und fügt hinzu, dass “im Genehmigungsverfahren den hydrologischen Untersuchungen viel mehr Aufmerksamkeit einzuräumen ist”.
Die Standortfrage für Speicherbecken liegt dem Dachverband besonders am Herzen: Landesweit ist zu beobachten, dass landwirtschaftliche Speicherbecken bevorzugt auf Gemeinde- oder Fraktionsgrund gebaut werden. Da aber alle Bürger:innen Eigentümer dieser Flächen sind, ist die exklusive Verbauung für landwirtschaftliche Privatinteressen nur mit dem Einverständnis der Bevölkerung demokratisch legitim. Für den Dachverband ist es deshalb völlig inakzeptabel, wenn Wälder wie der Altenburger Wald in Kaltern, die eine ausgewiesene Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion haben, für die Bedürfnisse einer einzelnen Interessengruppe gerodet werden sollen. “Beregnungsbecken für private landwirtschaftlichen Bedürfnisse sind auf privatem landwirtschaftlichem Grund zu errichten”, unterstreicht die Vorsitzende Elisabeth Ladinser die Position des Verbandes.
Das Positionspapier “Speicherbecken” ist in beiden Landessprachen auf der Webseite des Dachverbandes einsehbar und kann von dort heruntergeladenen werden.
Link: Positionspapier Speicherbecken.pdf
Titelseite: Dachverband
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