Freitag, 22. Juni 2018 07:36

Verkehr auf den Dolomiten-Pässen: Ein weiteres Jahr Experimente

Passstraßen/Verkehr - Auch heuer wieder wird es keine umfassende Verkehrsberuhigungen auf den Passstraßen im UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet geben. Maßnahmen gibt es weiterhin nur am Sellajoch und dies auch nur an insgesamt 30 Tagen. Die Wochenenden sind ausgenommen. Vielmehr soll durch einen „dynamischen Numerus Clausus“ und einer Registrierungspflicht der Verkehrssturm um rund 20 Prozent reduziert werden. Schließungen für einige Stunden wie im letzten Jahr gibt es keine mehr. Auch konnte man sich nicht durchringen, das Grödner Joch in die Kampagne mit einzubeziehen.

 Vor ziemlich genau neun Jahren, am 26. Juni 2009, wurden die Dolomiten von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Im Zuge der Anerkennung wurden den Verwaltern auch einige Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben. So wurde von der UNESCO bereits damals für den Südtiroler Bereich des Weltnaturerbes der menschliche Druck, insbesondere die Verkehrsbelastung, als kritisch gesehen.


Seit damals fordert der Dachverband für Natur- und Umweltschutz konkrete, griffige und umsetzbare Maßnahmen zur Einschränkung der Blechlawine auf den Passstraßen. Von unserer Seite wurde und wird ein Zeitfenster favorisiert, das saisonal und an die jeweiligen Pässe angepasst nicht nur zu einer Reduzierung des Durchzugsverkehrs sorgen, sondern über einen Zeitintervall auch zu einer spürbaren Reduzierung der Lärmbelästigung führen würde.

Erst im vergangenen Jahr wurde – versuchsweise – eine zeitweilige Sperre ausschließlich am Sellajoch erprobt und zwar an insgesamt neun Mittwochen im Sommer. Eine solche Schließung wird es heuer nicht mehr geben, sondern eine Einschränkung der Fahrten pro Stunde durch eine Registrierungspflicht. Das Projekt ist auch heuer nur als Versuch deklariert und läuft nur an insgesamt 30 Werktagen mit Ausnahme der Wochenenden. Die Kontingentierung ist auf den Zeitraum von 9 bis 16 Uhr beschränkt und wird auch weiterhin nur am Sellajoch praktiziert.

Insgesamt bemüht man sich sehr, das Ganze sehr 'weichgespült' als Sensibilisierungs- und nicht als Verkehrsreduzierungs-Kampagne zu bewerben und verkaufen. Die stundenweise Kontingentierung, die Registrierung, die Kontrolle, die Ausweichparkplätze, ... bringen einen großen logistischen, koordinativen und schlussendlich finanziellen Aufwand mit sich. Dies alles nimmt man aber anscheinend gerne in Kauf, um die Maßnahmen weiterhin so sanft wie möglich zu halten.

Weitere stark verkehrsbelastete Dolomitenpässe wie der Karerpass oder das Grödner Joch werden auch heuer nicht in das Projekt miteinbezogen. Wobei vor allem am Grödner Joch die Umsetzung nochmals leichter gewesen wäre, liegt der Pass doch zur Gänze auf Südtiroler Gebiet. Aber offensichtlich konnte oder wollte man sich gegen die Lokalkaiser nicht durchsetzen. Und so bleibt es auch auch 2018 bei einem zeitlich, räumlich und von seiner Wirkung her reduzierten Verkehrsversuch auf einem einzigen Pass.


Für den Dachverband für Natur- und Umweltschutz ist dies absolut unzureichend, vor allem im Hinblick auf die Verpflichtungen, welche man mit der Verleihung des UNESCO-Weltnaturerbe-Titels eingegangen ist.

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