Donnerstag, 18. März 2021 11:37

DVN - Tunnel lösen kein Verkehrsproblem

Dolomiten-Pässe/Tunnel - Tunnel lösen kein Verkehrsproblem, sie verlagern es. Und sie ziehen weiteren Verkehr an, sodass in Summe die Verkehrsprobleme zunehmen. Daher ist es für den Dachverband für Natur- und Umweltschutz unverständlich, dass Mobilitätslandesrat Alfreider den realitätsfernen Plänen der Region Veneto nicht sofort eine Absage erteilt hat. Aber vielleicht dient dieser Vorschlag ja auch als willkommene Ausrede, um zum x-ten Mal keine konkreten verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf den Dolomiten-Pässen umzusetzen. Auch so kann man eine ganze Regierungslegislatur untätig aussitzen.

Seit vielen Jahren macht der Dachverband für Natur- und Umweltschutz zusammen mit vielen anderen Umwelt- und Alpinorganisationen auf die unerträgliche Verkehrssituation rund um die Dolomiten-Pässe aufmerksam. Und genauso lange vertröstet die Politik und kündigt Maßnahmen an, die gar nicht oder nur sehr halbherzig umgesetzt werden.    
    
Vom vermeintlichen Geldsegen des europäischen Wiederaufbau-Fonds (Recovery Fund) angestachelt, lässt die Region Veneto eine verstaubte Idee wieder aufleben: einen Verbindungstunnel unter dem Sellastock. Das Loch im Berg soll die Dolomiten-Pässe vom Verkehr entlasten. Dabei erliegen die Träumer einem gefährlichen Trugschluss, denn der Tunnel verlagert den Verkehr nur. Auf den Zubringerstrecken zum Tunnel wird der Verkehr sogar zunehmen, weil Durchzugsverkehr angezogen wird. Die ladinischen Täler würden so unter einer noch größeren Verkehrsflut leiden. Zudem ist die Tunnellösung nur für PendlerInnen interessant.

Die wirklich großen Probleme auf den Pässen ergeben sich aber gerade in den Sommermonaten und besonders an den Wochenenden, wenn sich die Massen mit ihren Autos und Motorrädern über die Dolomiten-Pässe wälzen. Welcher Tourist oder Tagesausflügler wird denn den Tunnel nehmen, wenn er sich auf Panorama-Fahrt durch die Dolomiten begibt?

Anstatt auf große und vermeintlich heilsbringende Infrastruktur-Projekte irgendwann in der Zukunft zu hoffen, sollte die Lokal-Politik besser jetzt konkrete und kurzfristig umsetzbare, verkehrsberuhigende Maßnahmen einführen wie z.B. das sogenanntes Zeitfenster. Dieses zeitlich beschränkte Fahrverbot für bestimmte Kategorien lässt sich sofort umsetzen und verursacht im Vergleich zur Tunnel-Lösung Kosten in einer homöopathischen Größenordnung. Zudem lässt sich dieses Instrument bestens und flexibel an die jeweiligen Situationen auf den verschiedenen Dolomiten-Pässen anpassen.       
    
Wir sind verwundert, dass der Südtiroler Verkehrslandesrat den Plänen aus dem Veneto nicht sofort eine Absage erteilt hat. Vielleicht kommen diese Tunnel-Fantasien aber auch politisch gelegen, um selbst keine verkehrsberuhigenden Maßnahmen einführen zu müssen. Bis dato ist auch unter Verkehrslandesrat Alfreider auf den Dolomiten-Pässen trotz Ankündigungen nichts Konkretes in Sachen Verkehrsberuhigung umgesetzt worden. 

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