Mittwoch, 27. Mai 2020 09:13

DVN - Mit Vollgas in die Vergangenheit

Verkehr/Corona und Klima - Mehrere wissenschaftliche Studien belegen einen kausalen Zusammenhang von Luftverschmutzung und schwer verlaufenden Covid-19-Fällen. Trauriges Beispiel dafür sind die Ballungsräume in der Lombardei. Und unseren Politikern fällt nichts Besseres ein, als bereits beschlossene Maßnahmen zur Emissionsbegrenzung erstmal auf Eis zu legen–der Wirtschaft zu liebe. Gesundheit und Umweltschutz kommen also wieder einmal erst an zweiter Stelle. Dabei sind wir seit mittlerweile zehn Jahren säumig, was die Einhaltung der gesundheitlichen Grenzwerte der Stickoxide anbelangt – eine tolle Politik des "begehrtesten Lebensraumes Europas" und Klimalandes Südtirol!

Die erschreckenden Bilder aus den Intensivstationen der Krankenhäuser in der Lombardei scheinen bereits vergessen. Diese Region war wie keine andere in Italien von Covid-19 betroffen, sowohl was die Anzahl der Infektionen, die Anzahl der schweren Verläufe als auch die Opferzahlen anbelangt. Mehrere Studien legten dabei einen kausalen Zusammenhang zwischen den chronisch hohen Luftbelastungen dieser Ballungsräume und dem hohen Covid-19-Zahlen nahe. Dort, wo die Menschen bereits durch schlechte Luft vorbelastet sind, erkranken sie auch leichter an Covid-19.

Umso unverständlicher, was die Südtiroler Landesregierung gestern beschlossen hat: die Verschiebung von Maßnahmen zur Einschränkung der Luftverschmutzung, verursacht durch den motorisierten Verkehr. Der Wirtschaft zuliebe sollen die bereits beschlossenen Maßnahmen verschoben bzw. überarbeitet werden. Dabei wären beispielsweise die europaweit verbindlichen Gesundheitsgrenzwerte für NO2 bereits im Jahr 2010 einzuhalten gewesen. Wir sind bereits zehn Jahre in Verzug, bekommen die Auswirkungen von chronisch schlechter Luft auf unsere Gesundheit in schonungsloser Weise vor Augen geführt. Und – unsere PolitikerInnen entscheiden sich dennoch für einen Aufschub.     

Eine mutlose, rückwärts gewandte Politik ohne Visionen ist das letzte, was unsere Gesellschaft, inklusive der Wirtschaft, in dieser Phase der tiefgreifenden Umwälzungen durch die Corona- und Klimakrise braucht. Von den vielen Möglichkeiten, die Wirtschaft bestmöglich auf die Vielzahl an neuen Herausforderungen vorzubereiten, ist diese jüngste Entscheidung der Südtiroler Landesregierung gegen Gesundheits- und Klimaschutz die kurzsichtigste und einseitigste.

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