Freitag, 15. Januar 2021 12:18

DVN - Das Problem sind die Stickoxide und nicht der Feinstaub!

Verkehr/Luftqualität - Ausgehend von einer Aussendung der Handelskammer wird wieder über Feinstaub und Verkehr diskutiert. Ablenkung gelungen! Denn mit dem Fokus auf den Feinstaub, der schon seit vielen Jahren kein allzu großes Problem mehr darstellt, hat man erfolgreich von den nach wie vor bestehenden Grenzwert-Überschreitungen der Stickoxide abgelenkt. Lieber präsentiert man “Nicht-Probleme”. Dann braucht man sich auch um keine Lösungsansätze zu kümmern.

Die Jahresberichte der Luftqualität in Südtirol (https://umwelt.provinz.bz.it/luft/jahresberichte-luftqualitaetswerte-ortsfesten-messstationen.asp) zeigen es eindeutig: Feinstaub gehört seit vielen Jahren nicht mehr zu den prioritären Problemen in Bezug auf die Luftqualität Südtirols. Hohe Werte hängen lokal mit Inversionswetterlagen und dem Hausbrand zusammen. Der Rückgang des Benziners im Verkehr sowie der Ausbau der Fernwärme haben signifikant dazu beigetragen, dass Grenzwerte seit vielen Jahren nicht mehr überschritten werden. Mit dem Umstieg vom Benziner auf den Diesel hat sich in den letzten Jahren aber das Problem weg von den Feinstäuben hin in Richtung Stickoxiden verschoben.  

Die gesundheitsgefährdenden Stickoxide sind das wirkliche und aktuelle Problem im Zusammenhang mit dem Verkehr. Seit 2010 gilt ein EU-weiter gesetzlicher Jahresmittel-Grenzwert von 40µg/m³ Luft. Entlang der Brennerautobahn wird dieser zum Schutz der Gesundheit eingeführte Grenzwert nicht eingehalten. Die Handelskammer spricht zwar von rückläufigen Werten. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass von 2010 bis 2019 die Grenzwerte konstant überschritten wurden. Die Zahlen des Jahres 2020 liegen noch nicht vor. Eine erstmalige Einhaltung der Grenzwerte wäre allerdings nur auf Corona-Effekte zurückzuführen. Was wir aber brauchen, sind echte verkehrsmindernde Maßnahmen. Der Verantwortung und der Diskussion darüber entzieht man sich geschickt, wenn man lieber über Feinstaub und den nicht gegebenen Zusammenhang zum Verkehrsaufkommen diskutiert.

Ein weiterer gar nicht angesprochener Punkt ist der massive Rückgang der CO2-Belastung durch den im letzten Jahr eingebrochenen Verkehr, welche in derselben Studie nachgewiesen wurde: https://brennerlec.life/de/covid19-study.

Die Reduzierung von gesundheitsschädlichen Emissionen aus dem Verkehr sowie Klimaschutz und Klimaziele erreichen wir nur, wenn der Warenverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird, und zwar deutlich. Auch im Individualverkehr braucht es neue Modelle. Diskussionen über Probleme, die gar keine (mehr) sind, sind nicht nur sinnlos, sondern lenken nur von den wirklich wichtigen Herausforderungen ab. Darauf sollten wir uns erst gar nicht einlassen.

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