Freitag, 19. August 2011 09:01

Entfernung aller Bären: Forderungen utopisch

Problembären/Management - Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz zeigt sich angesichts der pauschalen und unqualifizierten Aussagen und Forderungen des Südtiroler Bauernbundes zum Thema Bärenpopulation und Problembären sehr überrascht. Anstatt mit allen Interessierten nach gangbaren Wegen in Sachen Bärenmanagement zu suchen, werden lieber Ängste geschürt und weiter polarisiert.
Seit den Neunziger Jahren läuft das Wiederansiedlungsprojekt "Life Ursus" in der Region. Der einzige Beitrag von Südtiroler Seite dazu ist in den letzten Jahren aber die Forderung der Bauernlobby und einiger Politiker, dass das Projekt gestoppt und am besten alle Bären entfernt werden sollten.


Einerseits verständlich, da man das gesamte Wiederansiedlungsprojekt in Südtirol einzig auf die Wildschäden reduziert und sich inhaltlich nie mit dem Projekt auseinandergesetzt hat. Vor diesem Hintergrund verwundern auch Forderungen nach einer Reduzierung der Populationsgröße nicht, obwohl man die aktuelle Größe der Gesamtpopulation beim Bauernbund auch nur schätzen kann. Wie viele Bären von dieser Gesamtpopulation nun auch wirklich in Südtirol sind, entzieht sich ebenso der Kenntnis jener, die jetzt für drastische Maßnahmen plädieren wie die Anzahl der Problembären. Ist es nur ein Tier oder sind mehrere Tiere verhaltensauffällig? Obwohl man hier bis dato nur spekulieren kann, schüttet der Bauernbund das Kind gleich mit dem Bade aus und fordert die Entfernung aller Bären. Und weil wir gleich dabei sind, können wir den Wolf ja auch noch gleich "verräumen". Dass bei problematischen Bären die Möglichkeit des Korrektivs gegeben sein muss, bestreitet auch der Dachverband für Natur- und Umweltschutz nicht. Aber keinesfalls auf diese Weise und in diesem Ausmaß, wie es jetzt der Bauernbund fordert. Ein eventuelles Management der Population muss und kann nur auf Sach- und Fachkenntnis fußen und darf sich niemals von Alarmismen treiben lassen. Die geradezu hysterischen Reaktionen tragen sicher nicht zu einer schnellen und effizienten Problemlösung bei, wie es der Bauernbund ja an sich fordert.
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz stimmt mit dem Bauernbund in der Forderung nach sog. "Raubtierkoordinatoren" überein, die vor Ort schnell und unkompliziert als Ansprechpartner bei allen Themen rund um die Großraubtiere dienen. Leider ist die Politik gerade dabei, diesen bereits gut funktionierenden peripheren Dienst durch die Auflassung der Dienststellen für Jagd- und Fischereiaufsicht abzuschaffen.

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