Donnerstag, 07. September 2017 08:12

Große Beutegreifer - Zurück zur Vernunft!

Bär und Wolf - Das Referat für Natur und Umwelt im AVS, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und die Südtiroler Biologenvereinigung nehmen die Nachrichten und Vorfälle zu den Übergriffen von Bär und Wolf zum Anlass, um alle beteiligten Interessensvertreter zu ermutigen, dieses emotionsgeladene Thema mit mehr Sachlichkeit zu behandeln und dadurch einen konstruktiven Umgang zu fördern. Gesetzeskonforme Lösungsansätze müssen in den Vordergrund gestellt werden. Ebenso ist eine vorurteilsfreie wildbiologische Aufklärungsarbeit in der gesamten Bevölkerung nötig. Die sachliche Aufklärung darf nicht mit bedingungsloser Zustimmung verwechselt werden. Das Referat für Natur und Umwelt begrüßt darum, dass die Kompetenzen bezüglich Wolf und Bär an die Regionen bzw. Provinzen übergehen.

Leider wurde in den letzten Wochen bei der medialen Darstellung des Themas allzu sehr in die Trickkiste des unseriösen Populismus gegriffen, die Thematik emotional aufgeheizt und Ängste unnötig geschürt. Der Übergriff einer Bärin auf einen Wanderer im Trentino und der anschließende Abschuss der Bärin brachte die emotionsgeladenen Diskussionen auf einen ersten Höhepunkt. Auf die anschließenden Wolfsrisse folgte eine reißerische und einseitige Berichterstattung, deren Hauptaussage darin gipfelte, dass Kinder womöglich in das Beuteschema des Wolfes passen würden. Im vergangenen Monat verging fast kein Tag, an dem es nicht ein Bild von blutrünstigen Wolfsrissen in der Tagespresse gab. Berichterstattung über Ansätze zum vernünftigen Umgang mit Beutegreifern bzw. Beispiele von erprobten und erfolgreichen Herdenschutzmaßnahmen im Alpenraum gab es jedoch kaum.


Eine sachliche Diskussion über das Problem muss stattfinden können, damit Lösungen gefunden werden, die nicht auf Erpressung beruhen. Großraubtiermanagement setzt auf Herdenschutzmaßnahmen, Verlustzahlungen und behördliche Abschüsse von Risikotieren: Beim Bär sind das besonders aggressive, also für den Menschen gefährlich eingestufte Exemplare, während beim Wolf die Anzahl gerissener Tiere ausschlaggebend ist. All das muss von den zuständigen Stellen genau definiert werden.  


Landesrat Schuler hat es ja schon vor geraumer Zeit angekündigt: Entschädigungen für gerissene Tiere bzw. andersartige durch Großgreifer verursachte Schäden sind zukünftig an das Vorhandensein von Vorsorgemaßnahmen gekoppelt. Sich vehement dagegen zu wehren und die Leute im guten Glauben zu lassen, dass in absehbarer Zukunft Wölfe und Bären innerhalb der Südtiroler Landesgrenzen zu Freiwild werden, ist schlichtweg unseriös. Überdies kann der Schuss nach hinten losgehen, wenn aufgrund mangelnder Vorsorgemaßnahmen Nutztiere unnötig zu Grunde gehen und noch dazu kein Geld mehr in die Taschen der Geschädigten fließt.
Luigi Spagnolli, Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei, hat in einem Interview auf barfuss vom 06.09.2017  konkret von den Wolfsrissen in der Gegend vom Fedaia-Pass gesprochen, wonach von den drei dort weidenden Schafherden nur die gänzlich frei laufende Südtiroler Herde mit 20 Schafrissen betroffen war. Die anderen beiden Nicht-Südtiroler Herden wurden in der Nacht  eingepfercht und durch einen Elektro-Zaun geschützt sowie von einem Herdenschutzhund begleitet. In diesen beiden Herden ereignete sich nicht ein Riss.


Vorbeugende Maßnahmen müssen nicht neu erfunden werden. Es stehen bereits sehr viele Erfahrungen und Best Practice-Modelle zur Verfügung. Südtirol mag „lei oans“ sein, aber die Problematik der Großraubtiere gibt es auch in anderen Alpenländern, wo damit lösungsorientiert umgegangen wird. Im angrenzenden Graubünden-Val Müstair, Unterengadin, wird Herdenschutz schon seit Jahren erfolgreich angewandt. Auch in Trafoi hat sich ein Pilotprojekt zu Herdenschutzhunden, organisiert vom Amt für Jagd und Fischerei, bereits 2007 bestens bewährt. In Bärengebieten haben sich die Zaunschutzmaßnahmen für Bienenvölker mittlerweile auch etabliert und bewährt.


Wir schlagen vor, die Gesprächskultur zu ändern, damit auch in Südtirol, wie bereits in der Schweiz und in Deutschland, über Maßnahmen zum Großraubtiermanagement gesprochen werden darf und dies auch den betroffenen Viehhaltern vermittelt wird. Eine legale und seriöse Alternative dazu gibt es aktuell nämlich nicht.