Freitag, 20. Juli 2007 11:54

"Umwelt verbrennt in Heizwerken"

OEW, Dachverband für Natur- und Umweltschutz und Verbraucherzentrale üben Kritik  -Die gute Nachricht zuerst: Südtirol ist Vorreiter in Sachen alternative Energiequellen. Die schlechte Nachricht ist aber, dass energiesparende Maßnahmen wiederholt besonders drastisch zur Umweltzerstörung beitragen. Neuestes Beispiel: Die Energieerzeugung in Blockheizkraftwerken mit Palmöl.

Bozen/Brixen - "Nicht nur das Ziel sollte nachhaltig sein, sondern auch der Weg." Darauf weisen OEW-Organisation für Eine solidarische Welt, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und die Verbraucherzentrale Südtirols (VZS) hin. Die drei Südtiroler Organisationen beziehen sich in ihrer Aussage auf Maßnahmen, die im Ergebnis zwar umweltfreundlich, in der Gesamtheit von Herstellung über Transport bis zum Endverbrauch aber umweltzerstörend sind.

So denken Energieproduzenten in Südtirol verstärkt über die Nutzung sogenannter Bioöle nach. In der Gemeinde Natz-Schabs ist beispielsweise ein Blockheizwerk geplant, das Energie in großem Stil erzeugen soll, und zwar mit Palmöl. Außerdem sind solche Bioöle eine gute Ergänzung für holzbetriebene Fernheizwerke in den leistungsschwachen Sommermonaten. Dann nämlich wird Strom produziert und die Abwärme des Motors in das Fernwärmenetz eingespeist. "Die Energieproduzenten haben damit kurzfristig einen Preisvorteil. Aber die langfristigen Folgekosten in Form von immensen Umweltschäden sind nicht einkalkuliert", erklären OEW, Verbraucherzentrale und Dachverband.

Palmöl stammt fast ausschließlich aus Ölpalmplantagen in den Regenwäldern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. In Indonesien und Malaysia ist der Palmölanbau mittlerweile die Hauptursache für die Regenwaldzerstörung und damit für die soziale Verarmung ganzer Landstriche. Durch die Brandrodungen werden erhebliche Mengen CO2 freigesetzt.

Zudem werden bei der Anlage solcher Plantagen oft die Landrechte ansässiger Kleinbauern und indigener Gemeinschaften verletzt. Der Anbau erfolgt in ökologisch nicht nachhaltiger Weise. Die mehrere tausend Hektar großen Monokulturen erfüllen als biologische Wüsten keine sozialen, biologischen oder klimatischen Funktionen mehr. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern auf den sehr nährstoffarmen tropischen Böden und dem regenreichen Klima werden das Grundwasser und die Flüsse und darüber die lokale Bevölkerung vergiftet.

Bei der Ölgewinnung in Mühlen fallen zusätzlich große Abwassermengen und andere Emissionen an. Kritiker bestreiten schließlich die angeblich günstige(re) Energie- und CO2-Bilanz von Palmöl als Energiequelle. So kam eine Studie zu dem Schluss, dass Biodiesel aus Palmöl 33 Tonnen CO2 oder zehnmal soviel Emissionen pro Tonne wie herkömmliches Diesel verursache. Nicht zu vergessen sind die Emissionen infolge der langen Transportwege - von den Urwäldern der Welt nach Südtirol.

Vor diesem Hintergrund fordern OEW, Verbraucherzentrale und Dachverband für Natur- und Umweltschutz Land, Gemeinden und Einzelpersonen auf, nicht weiter auf Palmöl als Energiequelle zurückzugreifen und stattdessen heimische, nachwachsende Rohstoffe zu setzen. Im Sinne der Nachhaltigkeit sei außerdem bei allen Produkten eine Gesamtrechnung zu machen. "Es kann nicht sein, dass wir ein paar Cent sparen und dafür Natur und Menschen sterben", so die drei Organisationen.

Weitere Informationen: OEW, Silvia Pitscheider, Tel. 0472 833950, Handy 339 7461546 oder E-Mail: silvia.pitscheider@oew.org

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