Donnerstag, 20. März 2014 16:26

Transit/BBT: Gesundheitsbelastung entlang der Transitachse Brenner-Salurn

Was tut die neue Landesregierung, um die Gesundheitsbelastung entlang der Transitachse Brenner-Salurn jetzt zu reduzieren? - Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz hat heute zusammen mit dem Heimatpflegeverband Südtirol und dem Alpenverein Südtirol eine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten, um auf die immer noch ungelöste Problematik der Gesundheitsbeeinträchtigung aufgrund des Transits entlang der Brennerachse hinzuweisen. Allein mit den politischen Vertröstungen, dass der BBT alle Probleme lösen wird, ist es nicht getan.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz sprachen Roland Barcatta und Peter Ortner für den Heimatpflegeverband, Georg Simeoni für den Alpenverein sowie Klauspeter Dissinger, Klaus Schuster und Wolfgang Niederhofer für den Dachverband für Natur- und Umweltschutz. Die angesprochenen Themen waren: Transit, Gesundheits-Grenzwerte und die vermeintliche Lösung des Problems durch den Bau des BBTs.

Fakt ist, ab Januar 2015 sind die Stickoxid-Grenzwerte der EU verbindlich einzuhalten. Dies auch, um die gesundheitliche Belastung und das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Entlang der gesamten Brennerachse liegen die Werte zur Zeit weit darüber: in den Ortschaften entlang der Autobahn um 50 bis 100% über dem ab kommendem Jahr geltenden Grenzwert von 40µg/m³ Stickstoffdioxid, an der Autobahn selbst sogar noch höher (siehe: http://www.provinz.bz.it/umweltagentur/2908/luftsituation/index_d.asp). Der Hauptverursacher ist der Schwerverkehr, der nahezu ungebremst über den Brenner rollt und von der niedrigen Maut sogar noch angezogen wird.

Daher fordern die teilnehmenden Verbände bereits seit Jahren von der Politik griffige und entschiedene Maßnahmen zur Abschaffung des Umwegverkehrs durch die Anpassung der Maut an die der benachbarten Alpenübergänge, ein sektorales Fahrverbot für bestimmte Güter auf der Autobahn, ein Nachtfahrverbot für LKWs, die Überprüfung der Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen durch ein sog. TUTOR-System, eine verstärkte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene mit gleichzeitiger Verbesserung des Rollmaterials. Diese Maßnahmen würden sofort und auch unabhängig vom sündhaft teuren Jahrhundertbauwerk BBT greifen und umgehend zu einer spürbaren Entlastung der leidgeplagten Bevölkerung entlang der Brennerachse führen.

Wir können es uns nicht mehr leisten, auf den immer teureren BBT zu warten, dessen Fertigstellung von ursprünglich 2015 immer weiter in die Zukunft verschoben wird. Zudem ist die Realisierung südlichen Zulaufstrecken, ohne die das gesamte Projekt so sinnlos wie eine Kathedrale in der Wüste wäre, nach wie vor äußerst ungewiss. Eine Verlagerungsgarantie von der Straße auf die Schiene gibt es immer noch nicht. Daher ist das gesamte Projekt BBT nach wie vor ökonomisch und umweltpolitisch höchst diskutabel.

Die bisherige Landespolitik unter der Führung von LH Durnwalder hat die Umsetzung der oben angeführten, verkehrsreduzierenden Maßnahmen sträflich vernachlässigt. Lieber vertröstete sie die Bevölkerung jahrzehntelang auf die Fertigstellung des BBTs, die nach wie vor in den Sternen steht. Daher setzen die Umweltverbände, auch aufgrund der immer wieder betonten Erneuerung in der Politik, auf einen aufgeschlosseneren LH Kompatscher, der die Umsetzung der geforderten Maßnahmen zur Priorität erklären soll.

Die Grenzwerte sind jedenfalls ab 2015 verbindlich einzuhalten. Sollten keine oder nicht ausreichende Maßnahmen ergriffen werden, sehen wir uns gezwungen, die grundlegenden Menschenrechte auf Gesundheit und Lebensqualität auch auf europäischer Ebene einzuklagen.

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