Montag, 20. Januar 2003 14:23

Landesverkehrsplan - Baumaßnahmen nicht vergessen

Weg vom Straßenbau hin zur Mobilitätssteuerung - Falls es sich dabei nicht um eine bloße Absichtserklärung handelt, begrüßen der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Alpenverein Südtirol die prinzipielle Ausrichtung des Landesverkehrsplans. Die Landesregierung muss deshalb ihre Infrastrukturpolitik überdenken und an die Umsetzung der Steuerungsmaßnahmen mit derselben Energie gehen, wie in den letzten Jahren der Straßenausbau betrieben wurde. Außerdem müssen die Baumaßnahmen verbindlich in den Plan eingefügt werden.

Der Plan ruft dazu auf, von der bisherigen Verkehrspolitik, die praktisch ausschließlich auf den Straßenausbau gesetzt hat, zu einer umfassende Strategie der Mobilitätssteuerung überzugehen, mit dem Ziel das Verkehrswachstum zu bremsen und umweltverträgliche Bewegungsformen zu fördern.

Damit die Planungsarbeiten einen Sinn haben, muss die Landesregierung eine verbindliche Liste von Baumaßnahmen beschließen, die innerhalb des Planungszeitraums (bis 2014) nicht mehr abgeändert werden darf. Die Landesregierung hat nämlich bei der Verabschiedung des Entwurfs zum Landesverkehrsplan die Liste der Baumaßnahmen aus dem Plan entfernt. Alle im Dokument angestellten Berechnungen und Verkehrsprognosen haben keinen Sinn mehr, weil die Ausgangssituation nicht mehr definiert ist und von der Landesregierung jederzeit abgeändert werden kann.

Der Dachverband und der AVS fordern deshalb Eingriffe am Straßennetz, die einzig der Entlastung der Anwohner und der Verkehrssicherheit dienen. Ortsumfahrungen sind wesentlich bescheidener zu bauen als bisher.

Der Vinschgau darf nicht endgültig zur Transitstrecke ausgebaut werden, deshalb ist der Ausbau Forst-Töll abzulehnen. Das Pustertal verträgt keine weiteren Umfahrungen im Stil von Mühlbach, Bruneck und Welsberg. Es sind einzig minimale Eingriffe zu verantworten, die mit dem geringstmöglichen Landschaftsverbrauch eine effektive Entlastung der betroffenen Anwohner erzielen.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Alpenverein Südtirol begrüßen, dass laut Plan der regionale Bahnverkehr ausgebaut werden soll, auch wenn einige Aussagen noch zu konkretisieren sind. Eine konkurrenzfähige Bahn braucht sanierte Bahnhöfe und neue Haltestellen bzw. Haltestellen, die an die veränderte Siedlungsstruktur angepasst sind. Der Bahnhof Bozen sollte im Stadtzentrum bleiben, damit er nicht die Attraktivität seines Standorts verliert.

Es müssen die Voraussetzungen für einen optimierten landesweiten Taktfahrplan geschaffen werden. Dazu sind Ausbaumaßnahmen zwischen Bozen und Meran sowie zwischen Brixen und Bruneck notwendig; ebenso wie der Bau einer direkten Verbindung zwischen der Pustertalbahn und der Brennerbahn in Südrichtung, der im Plan erst nach 2014 in Erwägung gezogen wird. Die S-Bahn von Bozen nach Auer ist so bald wie möglich zu realisieren.

In Bozen ist die Eisenbahnumfahrung für den Güterverkehr vordringlich anzugehen. Es sollte ein Konzept für die Güterbahnhöfe erstellt werden, damit Südtirol nicht den Anschluss an den Eisenbahn-Güterverkehr verliert. Die im Plan vorgesehene Angebotsausweitung auf den Bahnlinien ist umgehend umzusetzen. Das Busnetz ist in allen Landesteilen zu überarbeiten und die Fahrpläne sind vollständig auf den Eisenbahn-Taktverkehr abzustimmen.

Den verkehrspolitischen Maßnahmen, die der Plan vorschlägt, kann grundsätzlich zugestimmt werden, so zum Beispiel der Verlangsamung des Verkehrs auf dem Straßennetz, den Eingriffen zur Verkehrssicherheit für die Fußgänger, der Verbesserung der Fahrgastinformation im öffentlichen Verkehr, der Errichtung von Bus-Vorzugsspuren und Vorzugsschaltungen an Ampeln in den großen Ortschaften usw.

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