Dienstag, 23. September 2003 10:44

Kofler Almen gestoppt

Geplanter Erschließungsweg Kofler Almen gerichtlich blockiert - Die Südtiroler Landesregierung hat beschlossen, die obere und untere Kofler Alm im Natura-2000-Gebiet Naturpark Rieserferner-Ahrn durch eine Zufahrtsstraße zu erschließen. Die Ermächtigung für die Bauarbeiten lag bereits vor. Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz hat über den WWF und mit Unterstützung des Alpenvereins Südtirol (AVS) beim Verwaltungsgericht Rekurs eingereicht und bei der Europäischen Union (EU) eine Beschwerde hinterlegt. Vergangenen Freitag hat der Präsident des Verwaltungsgerichtes die Bauarbeiten vorläufig blockiert.

Die obere und untere Kofler Alm liegen in Rein in Taufers inmitten des Naturparks Rieserferner-Ahrn. Ein wunderschöner und von sehr vielen Touristen und Einheimischen begangener Wanderweg zieht sich von Rein hinauf bis zu den herrlich gelegenen Kofler Almen. Die Landesregierung hat den gesamten Naturpark als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. Als solches unterliegt es dem besonderen Schutz der EU.

Die Almen sollen nun laut Projekt der Forstbehörde mit einem knapp 5 Kilometer langen und 2,5 Meter breiten Weg erschlossen werden. Für die Überwindung des Höhenunterschieds müssen 7 Kehren gebaut und 750 m² Zyklopenmauern angelegt werden. Nach Angaben der Forstbehörde soll der Weg die Almwirtschaft erhalten und der forstwirtschaftlichen Nutzung dienen.

Für den Dachverband für Natur- und Umweltschutz und den AVS ist das Gebiet um jeden Preis erhaltenswert. Der Bau des Almweges würde intakte Naturlebensräume durchschneiden und damit direkt auf die wertvollen Bestände von Auerhahn, Birkhahn oder Dreizehenspecht einwirken. Die Erschließung der Almen hätte eine intensivere Wald- und möglicherweise Almbewirtschaftung zur Folge, was wiederum die biologische Artenvielfalt beeinträchtigt.

Das betroffene Gebiet zählt zu den sogenannten „prioritären“ Lebensräumen, welche die EU besonders schützt. „Diese dürfen nur dann beeinträchtigt werden, wenn die Gesundheit des Menschen, die öffentliche Sicherheit, günstigere Auswirkungen für die Umwelt oder andere zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesse geltend gemacht werden“, sagt Rechsanwalt Burkard Zozin. Für die Umweltverbände liegt keiner dieser Gründe vor. Die laut EU-Recht vorgeschriebene „Verträglichkeitsprüfung“ lehnt den Bau einer Straße ab.

Außerdem beanstanden die Umweltverbände, dass die Landesregierung gerade angesichts der Besonderheit des Gebietes keine Alternativen zum Almweg geprüft hat. Ökologisch nachhaltigere und ökonomisch kostengünstigere Varianten wären zum Beispiel für die forstwirtschaftliche Nutzung vorübergehend errichtete Seilwinden oder Seilkräne und für die Erhaltung der Almwirtschaft die Errichtung von Materialseilbahnen. Auch wären höhere Beiträge für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Almen kostengünstiger als der teure Wege- und Straßenbau.

Die Erschließung dieser Almen lässt zudem befürchten, dass eine Reihe von Erschließungsprojekten in den Naturparken folgen. Tatsache ist, dass das nächste Projekt, und zwar die Erschließung der Tauernalm im Naturpark Rieserferner-Ahrn, schon eingereicht ist.

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