Dienstag, 13. März 2001 11:50

Golfplatz Prader Sand: Die Schmerzgrenze ist überschritten

Golfplatz Prader Sand/Vinschgau - Der Vorschlag, in der Prader Sand einen Golfplatz errichten zu wollen, entbehrt jeder Umweltsensibilität. Der Golfplatz, im Nationalpark Stilfserjoch gelegen, würde das größte naturnahe Flussdelta Südtirols mit seiner Trockenau und eines der beliebtesten Naherholungsgebiete im Vinschgau für immer zerstören. Dass die Prader Sand mit aller Kraft zu schützen ist, darüber sind sich der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Alpenverein Südtirol, die Vereinigung Südtiroler Biologen und der Landesverband für Heimatpflege einig.
So ein Vorhaben lässt aufhorchen: Es scheint, dass die Sensibilität gegenüber der Naturlandschaft bereits völlig abhanden gekommen ist und man sich schon soweit vorwagen darf, laut und öffentlich Interesse an touristischen Infrastrukturen in einem Naturschutzgebiet anzumelden, die mit Naturschutz völlig unvereinbar sind.


Die Prader Sand ist laut der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU ein Lebensraum von prioritärer Bedeutung, den es zu erhalten gilt. Für die einheimische Bevölkerung und die Touristen ist die Prader Sand als einmaliges Naherholungsgebiet von unschätzbarem Wert.
Ein Golfplatz würde die besondere Landschaft, die seltenen Tiere und Pflanzen, die in anderen Teilen Südtirols – ja sogar Mitteleuropas -  bereits ausgestorben sind, für immer zerstören. Ein Golfplatz-Projekt in der Prader Sand überschreitet die ökologische Schmerzgrenze bei weitem, genauso wie in Montiggl oder so manches andere Vorhaben, das im Schipistenplan oder im Sportstättenplan enthalten ist. Südtirol ist von seinem Relief her a priori kein Golfplatz-Land und es kann nicht akzeptiert werden, dass an solchen Vorstellungen auf Kosten von verbliebener Naturlandschaften festgehalten wird.
Das gesamte Gemeindegebiet von Prad liegt im Nationalpark Stilfserjoch. Dies ist ein Prädikat für Prad, das es zu nutzen gilt. Noch vor zwei Jahren wurde den Umweltverbänden bei einem Treffen im Nationalpark Stilfserjoch mit großer Begeisterung das Nationalpark-Projekt „Aquaprad“ vorgestellt und beworben. Damals plante man die Errichtung eines Nationalparkhauses und den Erhalt des Lebensraumes Prader Sand. Ein innovatives Umweltzentrum mit verschiedenen Aquarien sollte naturinteressierte Menschen aus nah und fern anziehen. Die im Mündungsbereich des Suldenbaches liegende Prader Sand sollte dauerhaft und wirkungsvoller geschützt werden.
Das Image einer Nationalparkgemeinde und eine Infrastruktur wie ein Golfplatz am selben Ort vertragen sich nicht. Mit einem Golfplatz würde ein Teil des Projektes „Aquaprad“ sterben, zumal der geplante Golfplatz mit 50 Hektar in etwa der Fläche des gesamten Trockenau-Gebietes entspricht. Die unterzeichnenden Verbände appellieren an die Verantwortlichen, verstärkt für eine Entwicklung im Nationalpark nach dem Beispiel „Aquaprad“ einzutreten und es gar nicht so weit kommen zu lassen, ernsthaft über einen Golfplatz in der Prader Sand zu diskutieren.

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