Dienstag, 16. Februar 2010 08:20

"Freier Waren- und Personenverkehr" um jeden Preis?

A22/Dritte Spur - Die Grenzen der Belastbarkeit bezüglich Individualverkehr sind im Transitland Südtirol bereits überschritten und es gilt dem mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken. Um so unverständlicher ist es, dass Handelskammer Präsident Michl Ebner eine dritte Autobahnspur für die A22 fordert, nur um an den wenigen Wochenenden im Jahr die Touristen bei der An- und Abreise nicht zu vergraulen.

Hier sind andere Maßnahmen zu ergreifen wie z.B. der Einsatz von Autoreisezügen an den bereits im voraus absehbaren Stautagen. Er täte gut daran die Autobahngesellschaft, welche in den letzten Jahren erhebliche Gewinne auf Kosten der Anrainer erzielt hat, zu erinnern diesen endlich etwas zurückzugeben und ihre schlechte Lebensqualität zu verbessern. Diesbezüglich müssen endlich die Städte Bozen, Brixen, Klausen und Sterzing durch Untertunnelung bzw. Einhausung der Autobahnen im Stadtbereich von Lärm und Abgasen entlastet werden.

Die Einführung der Kostenwahrheit für den Güterverkehr auf der Autobahn würde den Umwegverkehr unterbinden und ebenfalls die Autobahn-Anrainer entlasten. Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene könnte bereits jetzt erfolgen, allerdings nur unter der Bedingung, dass endlich das Rollmaterial modernisiert wird, um die derzeit viel zu hohe Lärmbelastung entlang der Eisenbahn drastisch zu reduzieren.
Befremdend ist auch Ebners Aussage, dass uns scheinbar andere Länder um den BBT beneiden, obwohl es dafür weiterhin keine verbindlichen Zahlen bezüglich der Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene gibt.
Den Umweltschützern fortschrittliches Denken abzusprechen, indem man sich auf die Mebo beruft, ist unfair: denn wir waren nicht gegen die Mebo als zweispurige Straße um die Dörfer vom Verkehr zu entlasten, sondern lediglich gegen eine vierspurige Mebo, wegen des hohen Verbrauchs an Grund und Boden und der vorauszusehenden beachtlichen Zunahme des Individualverkehrs zwischen Meran und Bozen. Eine zweispurige Mebo, verbunden mit einer halb- (in Stoßzeiten viertel-) stündlichen zweigleisigen Zugverbindung zwischen den beiden Städten wären hier wohl weit sinnvoller gewesen.
Ganz der Meinung Ebners nach weniger Assistentialismus der öffentlichen Hand und mehr Eigenverantwortung von Seiten der Privatwirtschaft sind wir beim Thema Flugplatz Bozen. Genau darauf abgezielt hat die im vergangenen Jahr äußerst knapp gescheiterte Volksabstimmung. In der von der Handelskammer als öffentliche Körperschaft widerrechtlich massiv versendeten einseitigen Informationsbroschüren im Vorfeld der Abstimmung war davon aber herzlich wenig zu lesen.

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