Mittwoch, 21. Oktober 2015 12:03

Flughafen-Experte zum Bozner Flugplatz: Privater Betreiber müsste schon bei der Caritas sein

Flugplatz/Konzept - Das abschließende Statement des Flughafen-Experten Johann Frank bei der gestrigen Anhörung im Landtag brachte es auf den Punkt: Sollten die Ziele des Landes auch nach dem Ausbau des Flugplatzes Bozen nicht erreicht werden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme durch einen Privaten gleich Null, denn "... Dieser müsste schon bei der Caritas sein, um den Flugplatz zu führen. ..." Damit ist in der Diskussion um die zukünftige Rentabilität des Bozner Flugplatzes bereits alles gesagt. Äußerst dürftig waren auch die Auskünfte zur prognostizierten Umweltbelastung. Ein Screening wird erst erstellt, das Thema zusätzlicher Lärm gar nicht erwähnt und bei den Schadstoff-Quellen im Bozner Talkessel Äpfel mit Birnen verglichen. Insgesamt warf die Präsentation mehr Fragen auf, als sie Antworten gab.

Überraschend ehrlich und sehr zum Missfallen der anwesenden Ausbau-Befürworter beantwortete der von der Landesregierung beauftragte Flughafen-Experte Johann Frank von der Airport Consulting Vienna die letzte an ihn gestellte Frage. Es ging um die Risiken einer Übernahme von Privaten bei Nicht-Erreichen der im vorgelegten Konzept angegebenen Ziele und dem daraus folgenden Rückzug des Landes. "... Ein Privater müsste schon bei der Caritas sein, um den Flugplatz zu übernehmen. …"


Mit dieser Aussage ist auch klar, wie die wirtschaftliche Zukunft des Bozner Flugplatzes aussehen wird. Aus dem Konzept ist zu entnehmen, dass der Flugplatz in den nächsten zwanzig Jahren nochmals 58 Mio. Euro Schulden anhäufen wird. Sogar mehr, als vom Dachverband noch letzte Woche prognostiziert. Zudem klaffen in den kommenden fünf Jahren trotz der jährlichen Subventionen in Höhe von 2,5 Mio. Euro millionenschwere Finanzlöcher bei der Gegenüberstellung von Kosten und Einnahmen, die laut Ankündigung des Handelskammer-Präsidenten mit den Pflichtbeiträgen der Wirtschaftstreibenden Südtirols gestopft werden. Ob dies auch im Sinne aller Wirtschaftstreibenden im Lande ist, sei dahingestellt. Die von uns im Jahr 2011 durchgeführte repräsentative Umfrage auch bei der Südtiroler Wirtschaft hat ein deutlich anderes Bild ergeben.


Äußerst dürftig waren bei der gestrigen Präsentation des Konzepts im Landtag die Informationen zur steigenden Umweltbelastung. Warum diese nicht bei der offiziellen Vorstellung auch mit erhoben wurden, blieb unbeantwortet. Vom Landeshauptmann wurde nur pauschal eine scheinbar geringe Steigerung einiger Schadstoffe im Bozner Talkessel angesprochen. Um welche Schadstoffe es sich dabei handelt, welche Schadstoffe, Berechnungsmodelle und Szenarien überhaupt in Betracht gezogen wurden, wurde nicht präzisiert. Dabei ist gerade die Start- und Lande-Phase aerodynamisch und damit von den Emissionen her sehr ungünstig. Zudem gehen diese in geringer Höhe emittierten Schadstoffe durch die einzige Anflugschneise von Süden her konzentriert auf den ohnehin schon belasteten Bozner Talkessel und das Unterland nieder. Ebenso wenig wurden klimarelevante Emissionen oder die zunehmende Lärmbelastung durch die nun angepeilten Düsenflugzeuge erwähnt. Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte man auch, wenn man die Emissionen des Flugplatzes in Relation zu jenen der Autobahn stellt. Der Schadstoff-Ausstoß pro Person ist relevant! In diesem Sinne ist auch eine konsistente und aussagekräftige CO2-Bilanz für die beiden Szenarien Ausbau und Schließung des Bozner Flugplatzes zu erstellen.

 

Schlussendlich brüstet sich Südtirol bei jeder Gelegenheit im In- und Ausland als Klimaland. Mit dem Ausbau des Flugplatzes, um noch mehr Touristen mit dem Flugzeug ins Klimaland Südtirol zu holen, könnte der Widerspruch zwischen Werbung und Realität nicht größer sein.

Distanzen von 700 bis 800 km werden jetzt schon dank verbesserter Zugverbindungen vielfach mit der Eisenbahn zurückgelegt. Die Bahn ist nicht nur bequemer als der Flieger, sondern auch vergleichsweise schnell und günstig. Das Engagement des Landes im Mobilitätsbereich sollte darauf gerichtet sein und nicht in der Subvention eines seit 18 Jahren unrentablen Provinz-Flugplatzes bestehen.

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