Montag, 08. September 2014 09:54

Es geht um zukunftsorientierte Verkehrspolitik!

Flugplatz Bozen/“Fliegende Euregio“ - Der LH Arno Kompatscher erklärt in der Tageszeitung vom Samstag, 6. September, er sei erfreut über das Urteil des Verwaltungsgerichtes, da er somit Zeit habe ein neues Konzept für die Weiterführung des Bozner Flugplatzes zu erarbeiten.
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz ist dagegen der Meinung, der Landeshauptmann sollte sich in dieser Zeit lieber Gedanken machen über die Unsinnigkeit des Flugplatzes und über eine zukunftsorientiertere Verkehrspolitik, denn Gründe dafür gibt es genügend:

- Distanzen von 700 bis 800 km werden jetzt schon dank verbesserter Zugverbindungen vielfach mit der Eisenbahn zurückgelegt. Die Bahn ist nicht nur bequemer als der Flieger, sondern auch vergleichsweise schnell und günstig: Mit der Freccia-Rossa bzw. der Freccia-Argento braucht man z.B. von Bozen nach Rom 4 Stunden und 40 Minuten bei einem Fahrpreis von 68 Euro.
- Durch die konkurrenzfähig gewordenen Bahnangebote haben einige Fluggesellschaften bereits ihre Kurzstreckenflüge eingestellt, wie z.B. die Ryanair ihre Flüge von Mailand nach Rom. Besonders in Deutschland schließen zunehmend Regionalflughäfen wegen mangelnder Rentabilität, besser gesagt wegen hoher Defizite. Dazu sei erwähnt, dass laut EU-Verordnung Regionalflughäfen nur maximal 10 Betriebsjahre lang öffentlich unterstützt werden dürfen.
- Die naheliegenden Flughäfen in Verona und Innsbruck verfügen sehr wohl noch über zusätzliche Kapazitäten, auch wenn von gewissen Kreisen immer wieder das Gegenteil behauptet wird. In Innsbruck fiel die 2010 erreichte Rekordzahl von 1.025.176 Fluggästen auf 975.993 Fluggäste im Jahr 2013. In Verona fiel sie sogar von 3.385.794 Fluggästen im Jahr 2011 auf nur mehr 2.719.815 im Jahr 2013.
- Der Bozner Flugplatz hat bis Ende 2013 bereits 100 Mio. Euro verschlungen und würde die Steuerzahler/innen auch weiterhin jährlich über 5 Mio. Euro kosten, wohl gemerkt zusätzlich zu den für den Ausbau veranschlagten 24 Millionen. Angesichts der kontinuierlichen Haushaltskürzungen und den fehlenden Geldmitteln im Sozial-, im Renten-, im Arbeits- und im Umweltbereich mutet das unverantwortlich an.
- Selbst nach dem Ausbau des Flugplatzes wären von den insgesamt 6 Mio. Touristen, die jährlich nach Südtirol kommen, nur wenige Promille Flugtouristen und daher für die Tourismuswirtschaft in Südtirol ziemlich unbedeutend.
- Für die Bevölkerung im Unterland und Überetsch würde der Ausbau des Flugplatzes eine weitere Verschlechterung der Lebensqualität mit sich bringen, nachdem sie schon mit den Belastungen des Lkw-Verkehrs und des Güterzugverkehrs zu kämpfen haben. Touristen würden den zusätzlichen Fluglärm ebenfalls nicht schätzen.
- Zu guter Letzt erinnern wir an die Volksabstimmung von 2009, bei dem sich ein großer Teil der Bevölkerung gegen die Subventionierung und somit gegen die Erweiterung des Flugplatzes ausgesprochen hat. Dies scheint nun auch vom neuen LH ignoriert zu werden.

In diesem Sinne fordert der Dachverband für Natur- und Umweltschutz die Landesregierung auf, aus den Fehlern der Ära Durnwalder zu lernen und defizitären Prestigebauten, die der Allgemeinheit keine nennenswerten Vorteile bringen, den Geldhahn zuzudrehen. Zukunftsorientierte Investitionen in Synergieprojekte zwischen Ökonomie und Ökologie wären viel zeitgemäßer und vielversprechender für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftslage in Südtirol als ein Flugplatzausbau, von dem nur einige Wenige profitieren.

 

Klauspeter Dissinger,
Vorsitzender des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz

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