Donnerstag, 27. Mai 2010 10:40

Die Realisierung des BBT grundlegend überdenken!

BBT/Finanzierung - Angesichts der sehr skeptischen Haltung der österreichischen Infrastrukturministerin zur Finanzierbarkeit des BBT von österreichischer Seite, dem schwindenden Interesse Brüssels an der Verlagerungspolitik und des geradezu panikartigen Preisdumpings in Bezug auf die Realisierung des BBT von Seite der Betreibergesellschaft fordert der Dachverband für Natur- und Umweltschutz die Politik und Entscheidungsträger dies- und jenseits des Brenners auf, innezuhalten und grundsätzlich über die Realisierung dieses von Anfang an fragwürdigen Projektes nachzudenken, anstatt wissentlich Hunderte von Millionen im Berg zu versenken.

 

Die österreichische Infrastrukturministerin Doris Bures hat in den letzten Wochen mehrmals sehr deutlich gemacht, dass sie aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage und dem verordneten Sparzwang nicht mehr an die Finanzierbarkeit des ohnehin fragwürdigen BBT glaubt. An dieser Position haben auch die diversen Protestnoten den Nordtiroler Landeshauptmannes Günther Platter und die Kundgebung der Wipptaler Bürgermeister am Brenner nichts ändern können. Zudem werden auch aus Brüssel immer mehr Signale deutlich, dass die jahrelang verfolgte Verkehrspolitik nun nicht mehr jenen Stellenwert und jene Priorität genießt, die die lokale Politik immer wieder vorgibt.
In all diese Turbulenzen rund um die Finanzierung schlägt der Direktor der BBT SE, Konrad Bergmeister, plötzlich eine um 800 Mio. Euro kostengünstigere Variante vor, deren Realisierung allerdings frühestens 2025 erfolgen würde. Dieses verzweifelte Angebot zeigt in eindrücklicher Art und Weise, wie klar auch den Betreibern mittlerweile der Ernst der Lage um das Milliardenprojekt ist. Gleichzeitig wird die ohnehin schon lärm-und abgasgeplagte Bevölkerung des Eisack- und Wipptales sowie des Unterlandes mit dieser neuen Variante auf einen immer weiter entfernten Zeitpunkt vertröstet (anfänglich wurde ja von 2015 gesprochen).
Wir fordern die Entscheidungsträger auf, endlich auf die von den Umweltverbänden bereits seit Jahren unterbreiteten Vorschlägen einzugehen und Sofortmaßnahmen zur Verkehrsreduktion der jährlich ca. 2.000.000 LKWs umzusetzen. Dazu gehören vor allem die Anpassung der Maut an Schweizer Verhältnisse, um den Umwegverkehr von hunderttausenden LKWs jährlich bestmöglich zu vermeiden. Dies würde bereits eine Reduzierung um rund ein Drittel des heutigen Verkehrsaufkommens bedeuten. Ein weiteres Drittel könnte durch ein sektorales Fahrverbot nach Tiroler Vorbild und durch die Einführung der Alpentransitbörse eingespart werden. Gleichzeitig muss auf der bestehenden Brennerbahnlinie ein Austausch des überalterten Rollmaterials erfolgen, um den dort entstehenden Lärm bereits an der Quelle möglichst einzudämmen. Zudem sollen die von der Autobahngesellschaft angehäuften Gewinne von über 500 Mio. Euro, welche auf Kosten der Gesundheit der Autobahn-Anrainer erwirtschaftet wurden, für die Rückgewinnung der verlorenen Lebensqualität entlang der Autobahn verwendet werden, indem in den Städten Bozen, Klausen, Brixen und Sterzing die Autobahn entweder eingehaust und/oder in den Tunnel verlegt wird.

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