Dienstag, 30. Juni 2009 11:56

Das Beste noch besser machen?

Müllverbrennungsofen/Nachbesserungen - Dass Südtirol immer schon ein Land der Superlative war, dürfte hinlänglich bekannt sein. Die sauberste Luft, die intakteste Natur, die schönste Landschaft, die bleichsten Berge, die hellsten Sterne. Seit gestern wissen wir aber auch, dass man in unserem Lande das an sich schon Beste nochmals verbessern kann. Es geht um den geplanten Müllverbrennungsofen in Bozen. Jahrelang wurden kritische Stellungnahmen mit dem Argument vom Tisch gewischt, dass die Emissionen des Müllverbrennungsofens nicht nur keine nennenswerten Auswirkungen auf den Luftqualität hätten, sondern dass die Rauchgase auch noch sauberer seien als die Umgebungsluft im Bozner Talkessel. Und nun sieht man sich doch veranlasst, diesen modernsten aller möglichen Müllverbrennungsöfen technisch nochmals aufzurüsten und stellt dafür zusätzlich rund ein Fünftel der ursprünglich veranschlagten Bausumme bereit.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz freut sich selbstverständlich über jede Art von Investitionen in den aktiven Umweltschutz, der dazu auch noch direkt der Gesundheit der betroffenen Bevölkerung zugute kommt. So auch über jene nun von der Landesregierung zusätzlich zum eigentlichen Projekt genehmigten Ausgaben, um den geplanten Müllverbrennungsofen mit der neuesten Filtertechnik auszurüsten.

Überrascht sind wir nur von der Begründung für diese zusätzlichen Mittel, greifen sich doch grundsätzlich jene Bedenken auf, die von Umweltschützern bereits seit Jahren, auch untermauert durch verschiedene Studien, immer wieder vorgebracht haben. Mit dem Verweis auf das aktuelle Projekt, dass in jeder Hinsicht das fortschrittlichste, sauberste und effizienteste sein sollte, und dies bis vor kurzem nach offizieller Lesart auch war, wurden aber alle Bemühungen verwässert, die zuständigen Stellen von neuen Erkenntnissen in Medizin und Wissenschaft sowie technischen Neuerungen zu überzeugen. Die Öffentlichkeit überzeugen wollte man durch plakative Vergleiche aus dem Alltag. Die Emissionen etwa sollten vergleichbar mit jenen eines einzigen Diesel-PKW's sein.

Und so dürfen wir uns nun scheinbar über eine 20 Mio. Euro Rußpartikelfilter-Nachrüstung freuen. War das Projekt also doch nicht am letzten Stand der Technik, wie man immer wieder verkündet hat? Da die nun offiziell als überholt geltenden technischen Standards bei der Projekterstellung 2003 bzw. 2005 eingeflossen sind und die dem Projekt zugrunde liegenden Studien und Gutachten noch älter sind, ist es für uns nicht ganz nachvollziehbar, warum die neuen Erfordernisse nicht bereits bei der Neuausschreibung des Wettbewerbs nach der annullierten ersten Ausschreibung berücksichtigt wurden. Bereits damals hatten verschiedene Umweltverbände auf suboptimale Planungsgrundlagen hingewiesen.

Fraglich ist indes auch, ob der Zeitpunkt der Anpassungen des Projektes im technischen Bereich nicht auch dazu genutzt werden sollte, andere Einflussgrößen wie etwa das erwartete Müllaufkommen und die daraus abgeleitete Dimensionierung des Verbrennungsofens an den aktuellen Stand des Wissens anzupassen. Oder ist hier alles bereits auf dem letzten Stand, so wie es - bis vor kurzem - auch bei der technischen Ausstattung behauptet wurde?

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