Dienstag, 14. März 2006 15:23

Castelfeder wird dem Radweg geopfert

Radweg Auer/San Lugano - Auch wenn der Dachverband für Natur- und Umweltschutz absoluter Befürworter eines gut ausgebauten Radwegenetzes ist, verblüfft doch die Hartnäckigkeit, mit der die Landesregierung einen Radweg durch die Ruhezone des Biotops und Natura-2000-Gebietes "Castelfeder" schlagen will und - wie es nun aussieht, auch wird.

Zornig macht die Naturschützer, dass es eine Alternativ-Trasse im Eigentum der Gemeinde geben würde, die größtenteils außerhalb des Biotops verläuft. Diese wird seit einem halben Jahrzehnt propagiert und genau so lange von den Landesbehörden geflissentlich ignoriert.

Das von der Abteilung Natur und Landschaft angefertigte Natura-2000-Gutachten wurde vom Dachverband im Juni 2004 in Brüssel angefochten, da es zu sehr nach einem Gefälligkeitsgutachten aussah: klar negative Aussagen mit einer positiven Schlussfolgerung. Das von den Naturschützern vorgeschlagene Alternativ-Szenario behandelte das Gutachten in zwei Sätzen: "Mögliche Alternativlösungen: Auf Feldwegen von der Vill südlich und außerhalb des Biotops Castelfeder. Die Trasse ist steiler und stößt auf den Widerstand der angrenzenden Landwirte." Punkt.

Tatsächlich haben die EU-Behörden dieses Gutachten kritisiert und im Jänner diesen Jahres eine Erklärung von der Abteilung Natur und Landschaft nachgefordert. Diese dürfte inzwischen gemacht worden sein, selbstverständlich klar im Sinne für die Errichtung des Radweges.

Die Südtirolerinnen und Südtiroler werden sich nun damit anfreunden müssen, dass unsere Herren und Damen Landesräte wieder ein Stück Südtirol dem vermeintlichen Fortschritt geopfert haben.

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[Auszug aus dem Naturschutzblatt 2+3/2004] - Castelfeder

Arkadien ist eine wildromatische, seit der griechischen Antike sagenumwobene Karstlandschaft auf dem Peloponnes. Nicht weniger wildromantisch und ebenfalls sagenumwoben ist Castelfeder, das "Arkadien Südtirols". Castelfeder, das bereits um 5000 vor Christi Geburt besiedelt wurde, bildet heute eine einzigartige Synthese aus alter Kultur- und Naturlandschaft, wobei letztere auf engstem Raume Feuchtgebiet, Trockenrasen und Flaumeichen-Buschwald beherbergt.

Wegen des hohen ökologischen Stellenwertes wurde der Burghügel bereits 1977 als Biotop ausgewiesen. 1991 wurde auch der südlich liegende Teil des Geländes ins Biotop integriert, wodurch die ursprüngliche Fläche von 30 Hektar mehr als verdreifacht wurde. Da Castelfeder schon damals ein stark besuchtes Erholungsgebiet war, wurden als Schutzmaßnahme sowohl das Radfahren als auch das Reiten generell verboten. Die Wanderer wurden dazu angehalten, auf den Pfaden zu bleiben. Die Besucherströme sollten im nördlichen Teil kanalisiert werden, der südliche Teil sollte "als Ruhezone erhalten bleiben".

Die erste Aufweichung des Schutzes von Castelfeder erfolgte im Jahre 2000, als der Landschaftsplan der Gemeinde Montan überarbeitet wurde. In diesem heute aktuellen Plan besteht für das Biotop nach wie vor ein generelles Radfahrverbot, das Reitverbot hingegen wurde von der Landesregierung aufgehoben.

2001 zogen die nächsten dunklen Wolken über Castelfeder auf: Auf der Trasse der alten Fleimstalbahn sollte ein Radweg durch die Ruhezone im Süden errichtet werden. Die Umweltschützer protestierten, schlugen eine gut machbare Variante außerhalb des Schutzgebietes vor; aber die Idee eines romantischen Radweges auf einer alten Bahnlinie, die noch dazu als besondere Attraktion durch ein Biotop führt, hatte sich bereits in zu vielen Köpfen eingenistet. Im März diesen Jahres beschloss die Landesregierung den Bau des Radweges durch das Biotop.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz sieht diesen Beschluss nach wie vor sehr kritisch, da er drei Grundprinzipien der ursprünglichen Biotop-Idee verletzen würde: 1. die Funktion des Südens als Ruhezone, 2. das Radfahrverbot zur Schonung des Biotops sowie 3. das generelle Bauverbot. Erschwerend kommt hinzu, dass aus dem kleinen Provinzbiotop des Jahres 1977 inzwischen ein Natura-2000-Gebiet geworden ist.

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