Mittwoch, 06. August 2014 12:28

Bozner Flugplatz bringt max. 1% der Touristen nach Südtirol

Flugplatz/Ausbauforderungen - Die Vertreter der Südtiroler Wirtschaftsverbände nutzen das Sommerloch, um konzertiert Lobbyismus für den Ausbau des Bozner Flugplatzes zu machen. Letzthin hat sich sogar LH Kompatscher vor den Karren der Ausbau-Befürworter spannen lassen, obwohl er vor den Wahlen versprochen hatte, dass alle Fakten zum Flugplatz auf den Tisch kämen und er eine Volksabstimmung zur Zukunft des Flugplatzes durchführen wolle. Bis dato hat der unrentable Flugplatz knapp 100 Mio. Euro an Steuergeldern verbrannt. Wie viel Geld muss noch unnütz verschwendet werden, bevor die Politik dieses finanzielle Desaster endlich stoppt?

Nach der Präsidentin der SMG und dem Herausgeber der Wochenzeitschrift ff nutzt nun auch HGV-Präsident Manfred Pinzger das mediale Sommerloch, um die altbekannten Forderungen der Wirtschaftsverbände zu unterstreichen, den Flugplatz in Bozen auszubauen. Letzthin hat sich auch Arno Kompatscher gleich mehrfach als Ausbau-Befürworter geoutet, obwohl er vor den Wahlen alle Fakten zum Flugplatz offen diskutieren und anschließend in einer Volksabstimmung über die Zukunft des Provinzflugplatzes abstimmen lassen wollte.
Die Argumente für den Ausbau scheinen jedenfalls hanebüchen. Sollten die optimistischen Ausbauziele für den Flugplatz erreicht und jährlich etwa 200.000 Passagierbewegungen erzielt werden, spielt dies für den Tourismus keine Rolle. Wenn optimistischerweise 150.000 Passagierbewegungen von Touristen getätigt würden, bedeute dies 75.000 Ankünfte über den Bozner Flugplatz. Das entspricht bei aktuell rund 6 Mio. Ankünften rund ein Prozent. Zum einen ist aber nicht gesagt, dass diese 75.000 nicht auch über andere Flughäfen nach Südtirol kommen würden, so wie beispielsweise Bundeskanzlerin Merkel. Zum anderen hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Ankünfte im Gastgewerbe auch ohne funktionierenden Flugplatz bzw. auch während der monatelangen Einstellung des Flugbetriebes gesteigert werden konnten. Eine Notwendigkeit ist der Flugplatz für den Südtiroler Tourismus also sicherlich nicht.
Eine Steigerung der Flugbewegungen bedeutet auch höhere Kosten, da bereits jetzt die Preise der Flugtickets am Bozner Flugplatz subventioniert sind. Steigen die Passagierzahlen, steigen auch die Kosten für die öffentliche Hand. Darwin Air streicht bereits jetzt 5,3 Mio. Euro in drei Jahren ein, die mit Steuergeldern von der öffentlichen Hand bezahlt werden. Keine Fluggesellschaft würde ohne diese Subventionen den unrentablen Bozner Flugplatz anfliegen. Wer von günstigen Preisen am Bozner Flugplatz träumt, verschließt die Augen vor der Realität. Daher wird sich der Bozner Flugplatz auch nach einem eventuellen Ausbau nicht bezahlt machen. Die Kostenwahrheit aller europäischen Regionalflughäfen ist grausam. Eigenartig, dass gerade Wirtschaftsvertreter dies geflissentlich ausblenden, wenn sie von der Allgemeinheit fordern, die Kosten dafür zu tragen.
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert daher den Landeshauptmann auf, sich seiner Wahlversprechen zum Thema Flugplatz zu erinnern und diese auch konsequent umzusetzen.

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