Donnerstag, 28. Oktober 2004 11:45

BBT - DVN-Treffen mit Umweltagentur-Direktor

Dachverband für Natur- und Umweltschutz/Walter Huber - Weitere Mitsprache der Bürger/innen beim Brennerbasistunnel ist nicht vorgesehen. Während die Bürgerinnen und Bürger zur Vorprojekts-UVP noch Stellung nehmen konnten, wird dies bei der UVP zum Ausführungsprojekt nicht mehr möglich sein.

Dies erklärte Umweltagentur-Direktor Walter Huber bei einem Treffen mit dem Ausschuss des Dachverbandes für Natur und Umweltschutz am vergangenen Dienstag im Büro des Dachverbandes. Die definitive UVP würde im UVP-Beirat behandelt, von der Landesregierung genehmigt und dann nach Rom weitergeleitet, wo sie in die gesamtstaatliche UVP einfließe. Eine Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger sei nicht mehr vorgesehen. Huber wies auch darauf hin, dass eine endgültige Planung für den Abschnitt Branzoll-Salurn noch nicht möglich sei, da die Trassierung im Trentino noch völlig unklar sei und man deshalb noch gar nicht wissen könnte, wo die Anbindung an das Trentino erfolgen müsse.

Auch wenn nach dem zweistündigen Treffen viele technische Fragen geklärt werden konnten, blieb die grundsätzliche Skepsis des Dachverbandes gegenüber dem Brennerbasistunnel bestehen. Vorsitzender Roman Zanon: "Wir müssen endlich erkennen, dass der Bau des Brennerbasistunnels nicht Selbstzweck ist, sondern eine konkrete Verbesserung der Verkehrsbelastung sein soll - falls es ihn überhaupt braucht. Was wir sofort brauchen, ist der Ausbau der bestehenden Brennerstrecke auf ein Niveau, das einem modernen Staat entspricht: also sehr guter Lärmschutz, mehr Personenzüge für den Nahverkehr, besser abgestimmte Fahrpläne, eine schnelle Verbindung Bozen-Innsbruck, einen leistungsfähigen Güterverkehr usw. Bis heute haben die Verantwortlichen in diesen Bereichen allzu oft durch Untätigkeit und Unlust geglänzt. Warum sollen wir also glauben, dass dieselben Verantwortlichen 2015 plötzlich eine perfekte Verkehrinfrastruktur betreiben werden?"

Auch der politische Aspekt dürfe nicht unterschätzt werden. Zanon weiter: "Mit Betteln allein bekommen wir keinen LKW von der Straße auf die Bahn. Wir brauchen ganz klare verkehrspolitische Vorgaben auf europäischer Ebene, die eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene erzwingen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, an dem Südtirol Forderungen an die EU stellen muss. Denn jetzt sind wir in der starken Position des Grundeigentümers. Ist der Tunnel erst einmal gebaut, haben wir keinerlei Druckmittel mehr."

Als nächsten Schritt wird der Dachverband mit den 86 Organisationen und Einzelpersonen Kontakt aufnehmen, die zur UVP des Vorprojektes Stellung genommen haben. Gemeinsam mit diesen sollen dann die Kernforderungen herausgearbeitet und den Landespolitikern vorgelegt werden.

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