Dienstag, 21. Mai 2013 11:05

A22/Untersuchungen zur Gesundheitsgefährdung

A22 - Das Thema der Gesundheitsgefährdung wird endlich ernst genommen. - Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz zeigt sich über die Reaktion von Thomas Baumgartner in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“ erfreut. Art und Heftigkeit der Reaktion zeigen, wie nervös mittlerweile auch die Transportlobby reagiert und wie ernst das Thema der Gesundheitsgefährdung genommen wird. Inhaltlich ist die Reaktion Baumgartners aber ein Verdrehen von belegten Zahlen und Tatsachen. Gerne informieren wir auch Herrn Baumgartner korrekt und ausführlich zum Thema Transit und Gesundheitsgefährdung.
Wir freuen uns, dass das Thema Transit und Gesundheit in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist und sich auch Exponenten der Transport-Lobby zum Thema zu Wort melden. Die Reaktion von Thomas Baumgartner, dem Geschäftsführer des lokalen Marktführers FERCAM, zu den von uns veröffentlichten Zahlen zeigt eindrucksvoll, wie gereizt man in Frächterkreisen auf die immer stärkeren Belege für die immanente Gesundheitsgefährdung durch den Transit reagiert. Leider zitiert Baumgartner die Aussagen des Dachverbandes (bewusst oder unbewusst) fehlerhaft, vermischt Zahlen und Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und zieht falsche Schlüsse. So perlt die inhaltliche Kritik Baumgartners komplett ab und erweist sich als Bumerang.
So wurden vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz alle Zahlen die Stickoxid-Belastung betreffend aus dem Programm zur Reduzierung der NO2-Belastung, ausgearbeitet von der Landesagentur für Umwelt der Autonomen Provinz Bozen (einzusehen unter: http://www.provinz.bz.it/umweltagentur/luft/luftqualitaetsplan.asp) entnommen. Dort heißt es unter anderem: „Das Überschreitungsgebiet A22 erstreckt sich in einer Länge von 116 km und einer Breite von ca. 420 m entlang der Brennerautobahn (A22). … Die Fläche des Überschreitungsgebietes beträgt 94 km² und beinhaltet eine Reihe von Wohn- bzw. Arbeitsorten bei einer betroffenen Bevölkerung von circa 9200.“ Die beiden Städte Bozen und Brixen werden dabei separat untersucht und dort zeigen sich folgende Zahlen: „In Bozen werden die 40 Mikrogramm/m³ auf einer Fläche von ca. 3,4 km² überschritten. Von der Überschreitung sind ca. 25.000 Personen betroffen. Die höchsten Werte treten auch hier entlang der Brennerautobahn auf. … In Brixen werden die 40 Mikrogramm/m³ auf einer Fläche von ca. 1,3 km² überschritten. Von der Überschreitung sind ca. 6000 Personen betroffen. Die höchsten Werte treten auch hier entlang der Brennerautobahn auf.“ Wenn schon, müsste Baumgartners Vorwurf der Panikmache also an die Umweltagentur des Landes gerichtet werden. Wir haben nur deren Zahlen wiedergegeben.
Auch unsere Forderungen leiten sich aus dem offiziellen Programm des Landes Südtirol ab, das abschließend anmerkt: „Die Simulationen haben deutlich gemacht, dass zur Erreichung des NO2-Grenzwertes von 40 Mikrogramm/m³ im Jahre 2015 eine Reduzierung der Emissionen des Autobahnverkehrs von 40–50% nötig ist. Dieses Ziel scheint nur durch Verringerung des Verkehrs erreichbar.“
Was die Studien aus der Schweiz anbelangt, orientieren wir uns an der wichtigsten bevölkerungsbezogenen medizinischen Langzeitstudie der Schweiz, welche über die WHO initiiert wurde. SAPALDIA, die Schweizer Kohorten Studie: Luftverschmutzung und Atemwegserkrankungen bei Erwachsenen, errechnet dabei für Frankreich, Schweiz und Österreich jährlich rund 40.000 Todesfälle, 290.000 Episoden kindlicher Bronchitis und 500.000 neue Atemwegserkrankungen, wobei rund die Hälfte der Todesfälle den Emissionen aus dem motorisierten Verkehr zugeschrieben werden.
Welche Studien und Zahlen legt Thomas Baumgartner vor, um diese Aussagen zu entkräften? Vielleicht kann ja er die Südtiroler Landesregierung dazu bewegen, die von ihr bereits am 17.12.2007 (Beschluss Nr. 4487) in Auftrag gegebene Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen der Luft- und Lärmbelastung endlich zu veröffentlichen. Eine Veröffentlichung der Daten ist hier längst überfällig. Wir sind auf die Ergebnisse längs der Brennerautobahn, der MeBo und der Hauptverkehrsstraßen im Vinschgau und im Pustertal sehr gespannt.
Die nachweisbaren gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Emissionen aus dem motorisierten Verkehr basieren nunmehr auf breitem wissenschaftlichen Konsens. Vielleicht hätte sich Thomas Baumgartner besser informieren und dokumentieren sollen, bevor er den „selbsternannten Umweltschützern“ Dilettantismus und billige Panikmache vorwirft.

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